Caritas feiert 60 Jahre Erziehungsberatung
Festakt mit Rückblick auf die Geschichte und Vortrag zu Inklusion
Pressemitteilung
11. November 2011
Caritas feiert 60 Jahre Erziehungsberatung
Festakt mit Rückblick auf die Geschichte und Vortrag zu Inklusion – Familienfest für die Kinder
Mit einem Familienfest und einem Festakt hat die Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritasverbands Mannheim ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert. Zur Feier für die Erwachsenen kamen am Dienstag rund 50 geladene Gäste in den Ignatius Saal. Wie wichtig die Arbeit der Beratungsstelle ist, machte Caritas-Vorstand Dr. Roman Nitsch deutlich: „Die Zahl der Ratsuchenden hat enorm zugenommen. Hemmschwellen wurden abgebaut, und Eltern sind heute eher bereit, Hilfe zu suchen.“ Laut einer bundesweiten Studie ist jedes fünfte Kind psychisch beeinträchtigt.
Dr. Sabine
Gaspar-Sottmann, Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle, sagte in ihrer
Festrede: „Eltern fühlen sich mit den Erziehungsaufgaben oftmals überfordert. Gleichzeitig
befinden sich die Familien zunehmend in schwierigen Lebenssituationen, und
Kinder und Jugendliche geraten verstärkt unter Leistungsdruck, die an sie
gestellten Erwartungen erfüllen zu müssen.“ Während heute eher schulische
Probleme im Vordergrund stehen, ging es bei der Gründung der Beratungsstelle
vor 60 Jahren darum, der in der Nachkriegszeit „wachsenden Verwahrlosung der
Jugend“ entgegenzuwirken. Dabei habe es damals Pionierarbeit bedeutet, sich um
ein Verständnis für Kinder und ihre Nöte zu bemühen, anstatt auf
ein Machtgefälle und disziplinierende Maßnahmen zu setzen,
erläuterte
Gaspar-Sottmann
.
Heute bietet die Beratungsstelle neben der Erziehungsberatung unter anderem auch eine Baby- und Kleinkindsprechstunde, Betreuung durch ehrenamtliche Familienpaten und eine Beratung per Email an und arbeitet in den Eltern-Kind-Zentren mit.
Im anschließenden Festvortrag ging Prof. Klaus Baumann, Direktor des Arbeitsbereichs Caritaswissenschaft und Christliche Sozialarbeit an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, auf die Bedeutung von Inklusion ein, die auch in der Erziehungsberatung eine Rolle spielt und sich im weiteren Sinne nicht nur auf behinderte Kinder bezieht, sondern beispielsweise auch auf Schulverweigerer. Inklusion bedeute nicht Anpassung, sondern Entfaltung des Eigenen, des Anderssein, erklärte Baumann. Auf etikettierende und entmündigende Expertenurteile solle verzichtet werden: „Es geht um den Respekt des So-Seins des anderen und seiner eigenen Wege, seiner eigenen Zeit.“ Dies setzte er in Zusammenhang mit der Gottesebenbildlichkeit des Menschen: „Jeder Mensch ist einmalig als Person und besitzt eine ihm von Gott gegebene unverfügbare Würde.“ Das sei sowohl als Schutzbegriff, als auch als Entfaltungsprogramm zur Verwirklichung der Potentiale jedes Menschen zu verstehen. Vornehmstes Ziel aller Caritasarbeit sei es, Menschen, insbesondere benachteiligte und schwache, vor Ausgrenzung und zugleich vor Vereinnahmung zu schützen und ihre Selbsthilfekräfte anzuregen.
Das Fest für die
Kinder fand bereits am Samstag, 29. Oktober, in den Räumen der Beratungsstelle
in D7 statt. Rund 80 Kinder und 100 Erwachsene waren dabei. Die
Caritas-Kindergärten Mirjam und St. Michael führten Gesang und Tanz vor, in
einem Mitmachzirkus konnten die Kinder jonglieren und turnen üben,
orientalische Märchen wurden vorgelesen, und es gab weitere Bastel-, Spiel- und
Mitmachangebote. (juk)