Diözesan-Caritasverband Eichstätt, 15.03.2012

Mehr Einsatz für sexuell missbrauchte Kinder

Fachkräfte der Erziehungsberatung von Caritas und Diakonie bilden sich dafür fort

Die Erziehungsberatung Eichstätt will sich verstärkt für Kinder und Jugendliche einsetzen, die Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sind. Das hat deren Leiterin Carmen Okhuysen mitgeteilt. Da es im Landkreis Eichstätt kein umfassendes präventives Angebot für sexuell missbrauchte Kinder gebe, haben Okhuysen zufolge das Jugendamt sowie der Caritasverband Eichstätt und das Diakonische Werk Ingolstadt als Träger die Einrichtung aufgefordert, sich des Problems stärker anzunehmen. Wie jede Beratung der Stelle soll auch diese für Hilfesuchende kostenlos und auf Wunsch anonym sein. „Die vier Fachkräfte unserer Erziehungsberatung mit psychologischer, sozialpädagogischer und familientherapeutischer Ausbildung werden in den kommenden Wochen an einer mehrtägigen Fortbildung mit aktuellen Themen zur Problematik sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen teilnehmen“, kündigt die Einrichtungsleiterin an.

Problem stellt sich oft erst mit der Zeit heraus

Im vergangenen Jahr haben sich nach Angaben der Eichstätter Erziehungsberatung zwar lediglich fünf Familien dezidiert mit einem solchen Problem bei dieser angemeldet. „Das Thema ist jedoch heikel und es ist für Betroffene schwer, sexuellen Missbrauch gleich als Grund anzugeben. Es kommt immer wieder vor, dass Opfer zunächst wegen anderer Probleme wie zum Beispiel Lernschwierigkeiten kommen, sich dann im Laufe der Beratung aber auch Schwerwiegenderes wie diese Problematik an Kindern herausstellt“, erklärt Okhuysen . Sie verweist darauf, dass nach konservativen Schätzungen jedes 30. Kind in Deutschland von sexuellem Missbrauch betroffen sei, deren kindliche Unschuld also für die sexuelle Befriedigung anderer missbraucht werde. Andere Erhebungen, in denen auch mitgezählt wird, wenn es zu ungewollten Kontakten mit pornografischen Inhalten und Exhibitionisten kommt, nennen laut Carmen Okhuysen sogar jedes fünfte Kind. „Es ist zu vermuten, dass mehrere Kinder an jeder Schule betroffen sind“, folgert sie.

In der Eichstätter Erziehungsberatung wird nach Auskunft der Leiterin die telefonische Sprechstunde donnerstags von 16 bis 17 Uhr immer wieder einmal von vor allem Erziehern und Lehrern genutzt, um auf sexuellen Missbrauch bei jungen Menschen aufmerksam zu machen: „zum Beispiel, wenn ein Kind etwas zeichnet, das darauf hinweist oder wenn ein Kind andere Kinder auf der Toilette zu sexuellen Handlungen zwingt oder wenn ein Mädchen distanzlos wirkt und sexualisiertes Verhalten zeigt, das untypisch für das Alter ist“, nennt die Erziehungsberaterin einige Beispiele und folgert. „Derzeit bleibt vieles unter der Decke, das hervorgeholt werden müsste, denn bei sexuellem Missbrauch kann nur wirklich mit professioneller Beratung geholfen werden.“

Die Beratung, betont sie, helfe dann oft nicht nur den direkt betroffenen Kindern, sondern auch den Erziehungsberechtigten, beispielsweise bei Schuldgefühlen: „Wir nehmen uns etwa die Zeit und setzen unser therapeutisches Können ein, um einer Mutter zu helfen, die nicht damit fertig wird und sich nicht verzeihen kann, es mehrere Jahre nicht bemerkt zu haben, dass ihrem Kind sexuelle Gewalt angetan wurde.“ Die Erfahrung, dass die meisten Täter aus der eigenen Familie oder dem nahen Umfeld des betroffenen Kindes stammten, stelle zusätzlich für die Beratung eine große Herausforderung dar. „Da kann es vorkommen, dass die ganze Familie mit Scham besetzt ist“, so Carmen Okhuysen .

Nach ihrer Mitteilung werden die derzeitigen Fachkräfte zunächst alleine die Herausforderung annehmen, intensiver für sexuell missbrauchte Kinder und deren Familien da zu sein. „Wenn sich zeigt, dass viele Betroffene auf uns zukommen – was unser Anliegen ist – dann werden wir natürlich gemeinsam mit unseren Trägern über eine Stellenerweiterung nachdenken“, versichert die Einrichtungsleiterin. Sie betont, dass „alle Familien einen gesetzlichen Anspruch auf pädagogische und psychologische Beratung in Fragen der Entwicklung und Erziehung haben – und das natürlich unter Wahrung der Schweigepflicht“.

Für von sexuellem Missbrauch betroffene Kinder und Jugendliche ist nach Überzeugung der Diplom-Psychologin Prävention besonders wichtig, um nachhaltige Störungen zu verhindern. Das Jugendamt könne schließlich nicht überall präsent sein, um Gewalt und Missbrauch zu kontrollieren. „Es ist notwendig, dass Menschen, denen etwas auffällt, eine vertrauensvolle Stelle haben, an die sie sich wenden können, damit die nötigen Schritte in der richtigen Art und Weise eingeleitet werden können“, fasst Carmen Okhuysen den Auftrag an die Einrichtung zusammen.

Weiterer Baustein für möglichst umfassende Beratung

Die verstärkte Beratung und Hilfe für junge Menschen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, sieht die Erziehungsberatung als weiteren Baustein, um eine möglichst umfassende psychologische Beratung für Kinder, Jugendliche und Familien zu leisten. Sie leistet grundsätzlich Beratung und Therapie bei Erziehungsfragen, Verhaltensauffälligkeiten, Schul- und Leistungsproblemen, Gewalt und Missbrauch, sozialen und emotionalen Problemen, Krisen in Familie und Partnerschaft, Trennung und Scheidung sowie Schwierigkeiten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Kontakt: Erziehungs- und Familienberatung Eichstätt, Ostenstraße 31a ( Speth’scher Hof), 85072 Eichstätt, Tel. 0 84 21 / 85 65, E-Mail : erziehungsberatung@caritas-eichstaett.de

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