Vorlesepatin wird schon sehnlich erwartet
In der Kita Miriam wird lebendige Sprachkultur gepflegt
In diesem Jahr werden in der „Woche für das Leben“ das Miteinander und die Solidarität der Generationen hervorgehoben. Beispiele für Leben, Arbeiten und gegenseitige Unterstützung mit und zwischen den Generationen bei der Caritas Münster zeigt eine kleine Serie.
Münster. Ida und Stefan haben es
sich in einer Kuschelecke in der Kindertagesstätte Miriam gemütlich gemacht.
Sie lehnen sich an Rosemarie Heinrichs an, verfolgen gebannt die Geschichte,
die die ältere ehrenamtliche Mitarbeiterin aus einem Bilderbuch vorträgt. Ein
Elefant fesselt die Aufmerksamkeit von Stefan. Dass er ein solches Tier schon
einmal im Zirkus gesehen habe, aufgeregt berichtet es der Steppke. Schnell
entwickeln sich neue Geschichten aus dem Bilderbuch heraus.
Im Alltag
der Kita Miriam spielt die Förderung einer lebendigen Sprach- und Erzählkultur
eine große Rolle. Denn je mehr einem Kind vorgelesen wird, desto besser
entwickelt es sich, so das Fazit einer Studie der Stiftung Lesen. Hierzu waren
bundesweit 500 Kinder und Jugendliche nach ihren Vorlese-Erfahrungen befragt
worden. Besonders deutlich zeigte sich der Vorlese-Vorteil in den schulischen
Leistungen von Kindern aus Elternhäusern mit einfacher Bildung. In den Fächern
Deutsch und Mathe haben „Vorlese-Kinder“ bis zu 0,4 Notenpunkte bessere Ergebnisse
als Kinder, denen nicht vorgelesen wurde.
„Ich habe den Aushang nach einer Vorlesepatin beim Gemüsehändler entdeckt“,
berichtet Rosemarie Heinrichs, die in der Nähe der Kita Miriam der Caritas
Münster in Angelmodde wohnt. „Oh, das ist etwas für mich“, war sich die
gelernte Erzieherin schnell sicher. Vorher hatte sie auch schon einmal für die
Blindenhörbücherei Tonträger besprochen. Doch der direkte Kontakt mit den
Kindern der Gruppe Wühlmäuse in der Kita liege ihr mehr.
Kita-Leiterin
Annegret Rüter legt großen Wert auf Beziehungen zwischen Kindern und älteren
Menschen, denn nur so könne sich Respekt zwischen den Generationen entwickeln.
Da einige Jungen und Mädchen in der Kita keine Großeltern vor Ort haben, freut
sie sich über das Angebot von Rosemarie Heinrichs auch unter diesem
übergreifenden Gesichtspunkten, zumal es bei den Kindern bestens ankommen. „Die
fliegen darauf.“
Ida und Stefan genießen die Nähe beim Vorlesen. Sie lassen sich gerne auf
Geschichten-Abenteuer ein, warten zuweilen schon an der Tür auf die Patin. In
der Kindertagesstätte Miriam profitieren aber auch Kinder mit
Migrationshintergrund von dem Angebot. Über die Bilder kommen sie ins Sprechen,
verbessern so ihre Deutsch-Kenntnisse. Wichtig ist es Rosemarie Heinrichs auch,
dass die noch sehr jungen Kinder lernen, sorgsam mit den Büchern umzugehen. In
der Kindertagesstätte werden so entscheidende Weichen für die
Leselern-Laufbahn gelegt, Respekt vermittelt und das soziale Verhalten von
Kindern positiv geprägt.
Bildunterschrift : Ida und Stefan verfolgen aufmerksam die Geschichte, die Vorlesepatin Rosemarie Heinrichs in der Caritas-Kindertagesstätte Miriam vorträgt.