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Stand: 20.05.2014

Pressemitteilung

Arbeitslosenreport

Jugendliche brauchen verlässliche Förderung

Dies zeigt der Arbeitslosenreport NRW der Freien Wohlfahrtspflege in seiner aktuellen Ausgabe. Besonders alarmierend aus Sicht der Caritas Münster: Im Juni 2014 waren rund 37 Prozent der Empfänger  zwischen 15 und 25 Jahren vier Jahre und länger auf Unterstützung durch das Jobcenter angewiesen.

Der Arbeitslosenreport NRW zeigt  gleichzeitig: Die Lage junger Menschen, die Schwierigkeiten haben, nach der Schule einen Ausbildungsplatz zu finden, hat sich verschlechtert. Seit 2011 ist die Zahl der Teilnehmenden an Berufsausbildungsmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen um 33 Prozent gesunken. In Münster verringerte sich das Angebot für junge Menschen um 251 Plätze beziehungsweise 39 Prozent.
"Dabei zeigt sich, dass eine geförderte Ausbildung gut funktioniert und die Jugendlichen nach dem Abschluss gute Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt haben", sagt Marion Berghaus, Leiterin des Jugendausbildungszentrums JAZ. In der kirchlichen Einrichtung in Trägerschaft der Caritas Münster werden Jugendliche  gefördert, die im Anschluss an ihre Schulzeit keinen Ausbildungsplatz finden.

Berufsvorbereitung, Bildungsarbeit, Einstiegsqualifizierung sowie außerbetriebliche Berufsausbildung "sind wichtige Säulen, um benachteiligten Jugendlichen Perspektiven zu eröffnen", betont Berghaus. Umso unverständlicher sei, dass die Agentur für Arbeit im vergangenen Jahr keine Maßnahme für eine Ausbildung außerhalb von Betrieben in Münster ausgeschrieben habe. "Nicht alle Jugendlichen können in der Wirtschaft ausgebildet werden, weil dies beide Seiten überfordern kann", ist die Erfahrung der JAZ-Leitung. Berghaus nennt ein Beispiel: "In unserer Küche haben wir eigens eine  Zwischenprüfung simuliert, weil unsere Teilnehmer sich nervös und unsicher fühlten." Mit Erfolg: Eine Teilnehmerin hatte am besten abgeschnitten, wie die Kammer dem JAZ mitteilte. "In einem Betrieb ist diese sozialpädagogische Betreuung nicht möglich."

Auch der Deutsche Caritasverband ist erst jüngst in einer Stellungnahme für benachteiligte Jugendliche in die Bresche gesprungen: "Die Praxiserfahrung zeigt, dass viele junge Menschen durch die bestehenden Förderangebote nicht (mehr) erreicht werden. Sie brauchen komplexe Hilfsangebote, die nicht alleine auf die Integration in Ausbildung und Arbeit abzielen, sondern ihre Entwicklung zu einem selbstverantwortlichen Leben fördern, ihnen eine verlässliche Begleitung bieten und flexibel auf ihre individuellen Förderbedarfe und ihre Lebenssituation eingehen."

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