Erschienen am: 20.01.2026

 

Leben bis zum Ende gestalten

Anne Böger ist Ansprechpartnerin für Bewohner in Caritas-Altenzentren


Münster. Was ist mir wichtig, wenn ich sterbe? Eine Frage, über die wir ungern nachdenken. „Wer Antworten findet, entlastet aber sich selbst, die eigenen Angehörigen, Ärzte und Pflegepersonal“, sagt Anne Böger. Sie ist bei der Caritas Münster Ansprechpartnerin für die Bewohner und Bewohnerinnen in den Altenzentren. Wenn die Menschen dazu bereit sind, kommt sie mit ihnen ins Gespräch: Über letzte Wünsche am Ende eines oft langen Lebens.

 

 

 

 

Im Gespräch kann Anne Böger beispielsweise erfahren, welche Musik sich die Bewohner oder Bewohnerinnen für die letzte Lebensphase wünschen. Dies wird in einem Bogen erfasst und in der palliativen Versorgung berücksichtigt.

 

Wie bei Rita (Name geändert). Die ältere Dame hat ihr Leben immer sehr selbstständig gestaltet und möchte das so lange wie möglich beibehalten. Selbstbestimmt bedeutet auch, dass andere nach Ritas Vorstellungen handeln können, wenn sie es selbst nicht mehr kann. „Musik von Heintje gibt mir Trost“, sagt die Bewohnerin. Und dass sie den Geschmack von frischem Kaffee liebt. Ein helles Zimmer gefällt ihr. Und gegen ihre Rückenschmerzen hilft bei Rita Kälte, „bloß keine Wärme.“ Gesellschaft ist ihr wichtig und „dass ich nicht lange leiden muss.“ Trost gibt ihr auch der Glaube an Gott. „Ich würde gerne in den letzten Tagen von einem katholischen Geistlichen besucht werden.“

Diese Angaben nimmt Anne Böger in einem eigenen Bogen auf und bespricht mit den Bewohnerinnen und Bewohnern auch, ob beispielsweise eine Patientenverfügung vorliegt und diese noch aktuell ist. Es wird auch über konkrete medizinische Behandlungswünsche besprochen. „Mein Angebot nennt sich Gesundheitliche Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase (gemäß § 132g SGB V) und wird von den Krankenkassen finanziert“, sagt die Sozialarbeiterin. „Es ist für die Bewohnerinnen und Bewohner kostenlos und freiwillig. Auch eine Vertrauensperson kann an den Gesprächen teilnehmen.“

Das Angebot gilt auch für Menschen, die beispielsweise aufgrund einer Demenzerkrankung, nicht mehr selbst einwilligungsfähig sind. „Im Gespräch mit den Angehörigen, können wir gemeinsam über den mutmaßlichen Willen der Person sprechen und so hilfreiche Informationen für die Versorgung erhalten.“

„In meinen Gesprächen geht es um persönliche medizinische, pflegerische, psychosoziale und um spirituelle Fragen“, sagt Anne Böger. Ihr ist es wichtig, das Thema Sterben aus der Tabuzone zu holen. „Das Sterben ist ein Teil des Lebens. Jeder Mensch, der bei uns lebt, soll wichtige Entscheidungen für das eigene Leben selbstbestimmt treffen können – bis zum Ende.“